EuroLambretta
Posted on July 16th, 2005 by getaroundbetterEuroLambretta Leutschach, 10.-12. Juni 2005 – Österreich, Steiermark
Nachdem wir uns ca. ein halbes Jahr mit Routenplanen, nochmaligem Routenkorrigieren und Routendiskutieren beschäftigt hatten, ging’s dann am Donnerstag nach einer kleinen Routenkorrektur Richtung Österreich los. Grund: die deutsch-österreichische Wetterlage war in den letzten Tagen alles andere als prächtig – neben Schneefällen in den Alpen waren auch diverse Pässe, darunter der Großglockner, den wir überqueren wollten, gesperrt. Schnee im Juni? Okay – also kurz vor der Tour erst noch geeignete Motorradkluft kaufen und auf Winterhandschuhe umsatteln.
die Startaufstellung
Zunächst fuhren wir mit acht Maschinen, von 175er Grauguss bis 225 TS1 und einem Begleitauto von München los. Im Starterfeld: 4x Jetsons LC und 4 Lambrettisti aus München. Nach nur 2 km kamen wir bereits das erste Mal zum Stehen. Diagnose: „lässt sich nicht mehr schalten“. Nach kurzer Beratung wurde der gelbe Wagen gerufen und wir fuhren zu siebt weiter. Hier nicht genannter Abrauchkandidat wurde mit dem Werkstattschlüssel zurück gelassen und sollte versuchen, zu retten, was zu retten ist oder auf eine Ersatzkiste umsteigen. Schon nach weiteren 30 km gabs erst mal was aufs Dach: Regen non stopp. Kurze telefonische Rückkopplung mit der Werkstatt München: Kette gerissen, neue wird gerade eingebaut – kann in 2 Stunden weiter gehn’. Wir fuhren derweil bei eisigen Temperaturen über den Achenpaß Richtung Zillertal, wo wir uns mit zwei Österreichern trafen. Weiter gings über den Gerlospaß, den wir bei leichtem Schneefall nahmen nach Zell am See, wo die erste Übernachtung eingeplant hatten. Bei 5 Grad Ortstemperatur blieb das Zelt auf dem Roller und wir zogen eine gemütliche Pension vor. Bei der ersten bis siebten Rutsche Bier trudelten – wie vorher verabredet – weitere Alpentouristen ein. Darunter auch der Kettenabraucher, der unterwegs zufällig noch zwei deutsche Lambrettisti getroffen hatte. Zufälle gibt’s.
Nach dem ersten Rausch gings am Freitag dann mit 17 Lambrettas zunächst über den verschneiten Tauernpaß weiter über die Alpen. Warme Kleidung zahlte sich genauso aus, wie kräftige Motoren. Die Alpen verlangten den Maschinen einiges ab – bis auf Kleinigkeiten hielten aber alle durch.
Schnee im Juni am Oberntauern
Ja is denn scho wieder Weihnachten ?
Tour d’Alp
Gegen ca. 19 Uhr kamen wir endlich in Leutschach an. Der Platz war bereits gut mit internationalem Lambrettisten gefüllt. Als Location wurde eine Biker-Bar nebst riesigem Zeltplatz und großre Parkfläche für die Roller, gewählt. Neben der Biker-Bar, ähnliche einem Pub, war auch ein großes Festzelt mit diversen Tresen – innen wie aussen – aufgebaut. Insgesamt eine super Lokation – für jeden etwas. Der erste Abend verlief klassisch: Bekannte begrüssen, Erlebtes erzählen, trinken, tanzen, feiern. Dazu wurde nicht nur das Festzelt, sondern auch der Pub genutzt, wo’s bis zur späten Stunde über Tische und Stühle ging.
m Samstag zog auch endlich gutes Wetter auf, so dass die Ausfahrt bei herrlichem 25 Grad und Sonnenschein stattfinden konnte. Im blauen Zweitaktrauch donnerten die Maschinen in die wunderschöne steierische Sommerlandschaft. Die Straße schlängelte sich im ewigen auf und ab der Weinhügel bis hin zu einem hochgelegenen Weingut, wo Motoren und Fahrer Rast machen konnten. Neben lokalen Wein- und Vesperspezialitäten (Vesper – nicht Vespa) konnte man bei herrlichstem Sonnenschein die Landschft geniessen und bei klarem Blick auch das unweit gelegene Slowenien entdecken. Auf dem Rückweg war dann die endlos scheinende Schlange an Lambrettas in den Hügeln auszumachen, und selbst das eine oder andere B-Modell erreichte Geschwindigkeiten, die das Tragen eines Helmes rechtfertigen.
Auf dem großen Parkplatz standen hunderte top restaurierte und customizte Lambrettas neben originalen Kisten …und endlich mal kein PX Schrott weit und breit – herrlich.
Der Nachmittag wurde mit den üblichen Reparaturen, Benzingesprächen, Grillen und erstem Vorglühen überbrückt. Der Lambretta Club Österreich bot ausserdem einen super Service: die Mechaniker von Stoffi und vom LCA reparierten abgenebelte Kisten. Dabei waren lediglich die Materialkosten zu bezahlen. Und die Jungs hatten genug zu tun … – neben Kleinigkeiten wie Auspuff-Schweissen u.ä. waren allein 5x an dem WE der Kurbelwellensimmering zu wechseln. – Hut ab und Top Job !
Der offizielle Abend begann mit einem Essen (Backhuhn – yeah !) und den üblichen Ansprachen, dazu wurde Wein for free gereicht. Anschliessend gab’s noch eine landesübliche Darbietung: Schuhplattlern. Für den ein oder anderen Weitgereisten ein echter Knaller. Auf der folgenden Party wurde wieder bis in die Morgenstunden gefeiert. Top ! Der Sonntag bot neben einem Super-Frühstück noch Verabschiedung mit Pokalvergabe für die besten Lamys. Dabei konnte Deutschland den Pokal für “Best SX” nach Hause holen, was den Engländer an sich wohl ein wenig gewurmt haben mag. Während ein Teil unserer Reisegruppe schon früh morgens – vermutlich noch leicht benebelt – gen Deutschland zurück fuhr, gönnten wir Jetsons uns noch einen Tag Verlängerung.
Bei wieder mal bescheidenem Reisewetter und teilweise Dauerregen schlugen wir unser letztes Lager nach einer 300 Tagestour am Fuß des Großglockners auf. Abends gabs noch mal lecker Backhuhn und Bierchen, Übernachtung in der Pension mit Dusche. Am Montag war endlich mal Kaiserwetter. Bei herrlichen 20 Grad fuhren wir bis auf 2407 m hoch, trafen dort noch weitere deutsche Berg-Lambrettisten und genossen auf der Spitze einen Wahnsinnsblick bei bestem Wetter. Traumhaft und unbezahlbar. Zurück erst steil bergab den Glockner runter und dann wieder über Zell am See, wo die Temperaturen über 30 Grad waren. Vier Tage zuvor waren hier noch 5 Grad. Der Wahnsinn dieses Wetter. Über Kitzbühel und Kufstein gings dann zurück nach München.
Hochalpenstraße Großglockner – Paar-Posing
Fazit: eine sehr anstrengende, aber sehr lohnenswerte Tour. Wer noch nie mit dem Roller über die Alpen ist: Nachholen! Schleunigst. Ein absolut geiles Erlebnis, auch bei widrigen Temperaturen. Muss man mal gemacht haben. – Ergebnis nach ca. 1300 km (x17 Lambrettas): 1 Kurbelwellensimmering zerschrotet, 2 Endschalldämpfer verloren, ein Bremshebel abvibriert, eine Kette gerissen und einige andere Kleinigkeiten … und doch alle angekommen. – Ein Wort noch zur Veranstaltung: Top Organisation, immer (!) freundliches und hilfreiches Orga-Team, Super Location, top Service. Die Latte liegt hoch, sehr hoch.

Großglockner – der Tour Höhepunkt
2407m – da sprotzt der Rüssel beim Ankicken.
… die restlichen Bilder der Fahrt & Party hier:
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